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Leibniz Universität zu Hannover, Hauptgebäude (Welfenschloß) – Balkon Nordseite

Restaurierung der gesamten historischen Balkonanlage von 1860 aus Gusseisen, (45 m, 32 t, 6.150 Einzelteile plus ca. 14.000 Verbindungselemente wie Niete, Schrauben, Bolzen und Stifte)
Entwurf von Christian Heinrich Tramm (1819 – 1861)
Komplette Demontage der gesamten Anlage, Ertüchtigung und Aufarbeitung aller Einzelteile, neue Tragkonstruktion in Edelstahl rostfrei – zum Teil verdeckt/innenliegend,
bestandsgerechte Ergänzung zahlloser Einzelteile als Nachguss in Eisen (Zierrat, Rosetten, Konsolen, tragende Teile, Geländerausfachungen, Putten, Profilstäbe Ornamentierung), extrem solider Korrosionsschutz, aufwändiger Farbaufbau mit gesandelter Deckbeschichtung, Anfertigung einer ausführlichen die Maßnahme begleitende Arbeits-/Fotodokumentation (10 Ordner)

Zeitraum der Ausführung: 12/2007 – 09/2010
Auftraggeber: Staatliches Baumanagement Hannover (Herr Bohlinger)
Fachplanung: Metall & Konzept, Herr O. Ignaszewski, Teichhuhnsteig, Berlin

Restaurierung & Ertüchtigung der gesamten historischen Balkonanlage von 1860 aus Gusseisen nach Entwurf von Christian Heinrich Tramm (1819 – 1861).

Komplette Sanierung einer außergewöhnlich großen und komplexen Balkonanlage mit aufgesetztem Geländer, bestehend aus 10 + 6 Segmenten in drei Teileinheiten.

Vorzustand z.T. stark geschädigt und einsturzgefährdet. Diverse Erschöpfungserscheinungen: Rostsprengung hatte die aufliegenden Sandsteinplatten (16 Stück, je ca. 4to) angehoben und zum Teil gebrochen. Behelfsmäßig behobener Kriegsschaden (Bombentreffer). 13 von 16 Hauptauflagern (vertikale Wandkonsolen) ein- oder mehrfach gerissen / gebrochen. Querträger und Unterkonstruktion vielfach schadhaft, z.T. ohne Funktion. Verbindungselemente aus Eisen/Stahl stark verschlissen bis hin zur Zerstörung. Ornamentierung und Schmuckwerke mit umfassenden Substanzverlusten. Massive Korrosion und daraus resultierende Folgeerscheinungen hatten zu akuten ästhetischen und mechanischen/statischen Mängeln geführt. Konservierung und Farbaufbau vollkommen verbraucht bzw. teilweise nicht vorhanden. (Vorgutachten: O. Ignaszewski, Berlin)

Größenordnung: 45 lfm, ca. 31,3 Tonnen Gesamtgewicht, 6.147 Einzelteile aus Gusseisen (Größe von 8 x 8 Millimeter … 3,2 x 2,5 Meter), 575 massive Verbindungselemente aus Eisen & Stahl, ca. 13.600 Schrauben / Stifte / Niete und sonstige Verbindungselemente.

Beginn der Arbeiten: Dezember 2007

Fortführend aktualisierte und den Bauablauf begleitende Ausführungsplanung in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber (vertreten durch Herrn Bohlinger und Herrn Kreutzfeld), Fachplaner (Herr Olaf Ignaszewski, Berlin), Landesamt für Denkmalpflege Niedersachsen (vertreten durch den Landeskonservator Herrn U. Pagels), Statiker (Büro Burmester & Sellmann, Garbsen) und dem Gewerk Steinmetz (Firma Leichsenring, Hannover)

Dauerhafte Markierung aller Elemente analog Kartierung (Anbringung gestanzter Blechmarken); Vollständige Demontage vor Ort und Zerlegung in Teilsegmente bzw. Einzelteile; sorgfältigster Transport in die Werkstatt.

Vollumfängliche Restaurierung mit allen dazugehörigen Arbeiten in den entsprechenden einschlägigen Technologien nach dem aktuellen Stand der denkmalpflegerischen Ethik und der sog. „Heiligen Dreifaltigkeit“ (d.h. die absolute Beibehaltung und Schonung der Herstellungs- Gebrauchs- und Überlieferungsspuren)

Zerlegung in Einzelteile soweit für die Überarbeitung notwendig bzw. sinnvoll. Anwendung zeitgemäßer Trenn-, Oberflächenbearbeitungs- und Fügetechniken (sägen, keilen, auf- und ausdornen, feilen, schneiden, stiften, schrauben, schweißen in allen gängigen Verfahren für Gußeisen, insbesondere Eutalloy mit Nickelpulver und E-Hand mit Fe/Ni-Elektroden, nieten, stecken u.v.a.m.)

Konzeption und Umsetzung einer rekonstruktiven Nachfertigung fehlender bzw. irreparabel geschädigter Teile. Hierzu eigene Abformung und Nachguss in der Kunstgießerei Lauchhammer sowie Buderus Kunstguss in Hirzenhain (hauptsächlich im Wachsauschmelzverfahren) in Eisen. Vereinzelt Abguss vom Originalteil, wo Schwund vernachlässigbar. Gesamtzahl der nachzugießenden Teile: ca. 880 Stück in unterschiedlichsten Abmessungen und Formen; Größe der Gußteile von 8 mm (Zierrat, Ornamente) bis 1,90 m (tragende Konsolen und Querträger). Zum Teil höchst detaillierte, feingliedrigste Schmuckteile.

Weiterhin Neufertigung von Schmiedeteilen durch Freiform-Handschmieden sowie Gesenkschmieden (Verbindungs-, Anker- und Armierungselemente)

Fertigung und Einbau unterschiedlichster Verstärkungen, Ertüchtigungs- und Tragkonstruktionen. Material Edelstahl rostfrei in den Güten 1.4301, 1.4304, 1.4404, 1.4571 sowie A2 und A4 (Schrauben, Verbindungsmittel). Komplexe Vierendeel-Kastenträger (acht Stück) als Sonderkonstruktion zur Abtragung der Lastaufnahme der Balkonplatten. Innenliegend verschraubte Bandagen für die Tragsäulen. Konsolen, Laschen, Winkel, Stütz- und Korsettprofile in Eigenanfertigung, Flach-, Rund- Vierkantvoll- , L-, I- und U-Profile in Dimensionen von 2…180 mm.

Probeaufbau jedes einzelnen aller zehn Haupt-Balkonsegmente inklusive der Verstärkungskonstruktionen an eigens gefertigtem Montagegestell in der Werkstatt, Justierung und Anpassung aller Komponenten aufeinander zur größtmöglichen Vermeidung von allgemeinen Passproblemen und Eingriffen in den Korrosionsschutz / Farbaufbau bei der späteren Endmontage vor Ort.

Reinigung aller Oberflächen und Entfernung von Korrosionserscheinungen- und Produkten mittels sensibelster, auf Materialschonung ausgerichteter Anwendung diverser gängiger Verfahren: händische Reinigung, Druckluftnagelentrostung, Trockeneisstrahlen, Pyrolyse, reinigungsstrahlen nach DIN EN 12944-4 (NRG SA 21/2), Schaber, Skalpelle, Bürsten usw.

Korrosionsschutz und Beschichtung für Korrosivitätskategorie C3 – mäßig nach DIN EN ISO 12944-2 Grundbeschichtung: thermische Spritzverzinkung als auch 2K EP Grundierung mit Zinkstaub als Kathodenschutz. Zwischenbeschichtung: 2K-EP mit Eisenglimmer. Deckbeschichtungsmaterial 2K PU, Farbton beige NCS S2010-Y10R mit Besandelung (Quarzsand K 0 – 0,28)

Rücktransport zur Baustelle, jedes Einzelteil sorgsam verpackt und stoßgeschützt gelagert. Vormontage einzelner Segmente, Aufbau der Balkonanlage nach historischem Vorbild bzw. eigens erstellter Konzeption sowie nach Erfahrungen des Probeaufbaus in der Werkstatt. Vollständige Erneuerung der gesamten Verankerung (Bolzen 12…30 mm in Edelstahl rostfrei, Güte A4 sowie I-Träger-Konsolen 160 mm in Güte 1.4571). Verwendung von Kran und sonstigen Hebezeugen. Endbehandlung und Fertigstellung aller Verbindungspositionen, Fügestellen und Oberflächen (Korrosionsschutz, Beschichtung, Besandelung)

Einbau von Vogel-Vergrämungsmaßnahmen: Netzsysteme (Maschung 40 x 40 mm) als gespannte Einzelfelder mit Edelstahlseilen, revisionierbar & in reduzierter Optik ausgeführt.

Umfangreiche Dokumentation in Wort und Bild, mit fortgeführter Kartierung und Plänen, Skizzen und Zeichnungen sowie Produkt- und Materialnachweisen, Musterteile und Farbschemata. Insgesamt 10 Ordner, 4.200 Fotos.

Abschluss aller Arbeiten: Juni 2010

Zeitraum der Ausführung: 12/2007 – 06/2010
Auftraggeber: Staatliches Baumanagement Hannover
Planung: METALL & KONZEPT Olaf Ignaszewski – Diplom-Restaurator, Berlin